Reklamation bedeutet nicht automatisch Qualitätsversagen
Nicht jede unzufriedene Kundin bedeutet automatisch, dass schlecht gearbeitet wurde. War die Beratung ausführlich und die Technik sauber ausgeführt, handelt es sich nicht immer um eine klassische Reklamation. Manchmal geht es weniger um einen fachlichen Mangel als um enttäuschte Erwartungen, ein anderes Selbstbild oder ein Ergebnis, das sich für die Kundin nicht richtig anfühlt. Häufige Ursachen sind eine unvollständige Beratung oder schlicht zu wenig Zeit im KundInnengespräch. Auch Friseurmeister Fabio Pepe zeigt sich davon überzeugt, dass eine ordentliche Beratung die meisten Reklamationen verhindert.
Hochrisikogebiet Schweigen
Egal ob gerechtfertigte fachliche Reklamation oder Unzufriedenheit: Es ist wichtig, in den Dialog mit der betroffenen Kundin zu treten. Schweigen ist bequem, aber gefährlich. Denn wer nichts sagt, kommt of einfach nicht weiter. Auch wenn es Mehraufwand bedeutet: Liegt euch die Kundin am Herzen und wollt ihr sie behalten, vereinbart einen Termin, um die Reklamation gemeinsam anzusehen und zu besprechen. Technische Fehler können in einem Folgetermin behoben werden. Handelt es sich um Unzufriedenheit mit dem neuen Look, muss klar kommuniziert werden, welche Vorgehensweise notwendig ist. Wie kulant ihr hier seid, muss in eurem Salonkonzept verankert sein: Gibt es einen Rabatt, eine Korrekturfrist oder verrechnet ihr den vollen Preis?
Nelli Götze von “One of a kind” führt in der Preisliste sogar eine einwöchige Gratis-Anpassung an. Ihr Salon ist im Hochpreissegment angesiedelt und sie zeigt gegenüber KundInnen großes Verständnis, wenn Unzufriedenheit herrscht: „Du hast viel Geld ausgegeben, das Ergebnis ist nicht ganz so wie geplant? Wir kümmern uns darum und bekommen das hin.“ Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein starkes Signal: Wir nehmen dich ernst.
Reklamationskultur im Salon und Team etablieren
Wer reklamiert, gibt dem Salon noch eine Chance. Wer schweigt, ist oft schon weg! Eine gute Reklamationskultur bedeutet nicht, dass jede Beanstandung gratis gemacht wird. Sie bedeutet vielmehr, dass Beschwerden sachlich und lösungsorientiert behandelt werden. Besprecht Fehler und Reklamationen im Team und stärkt euch damit gegenseitig den Rücken. Wer Angst hat, Fehler zuzugeben, lässt dadurch oft größere Probleme entstehen. Die Wiener Salonunternehmerin Nelli Götze ist davon überzeugt: Je weniger man diskutiert und je selbstverständlicher man mit Kritik umgeht, desto leichter ist es für beide Seiten. Genau darin liegt die Chance: Reklamationen verlieren ihren Schrecken, wenn sie nicht als Ausnahmezustand behandelt werden, sondern als Teil professioneller Salonführung.