Redakteurin Juliane Krammer im Interview mit Barber Felix Hohleich
Felix, du hast in einem Reel erklärt, wie sich deine Preise zusammensetzen. Was ist danach passiert?
Felix Hohleich: Die Posting-Kommentare haben sich plötzlich in eine ganz merkwürdige Richtung entwickelt. Ich wurde unter dem Video und auch in privaten Nachrichten massiv beleidigt, teilweise sogar bedroht. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich. Eigentlich dachte ich, es sei etwas Positives, wenn sich jemand vor die Kamera stellt und sagt: Wir kommen aus einem Niedriglohnsegment. Ich möchte das verändern, nehme mir als Unternehmer lieber selbst etwas weniger und zahle meinen Angestellten ein gutes Gehalt. Sie sollen sich ebenfalls einen schönen Urlaub oder ein gutes Auto leisten können.
Du sprichst schon länger offen über deine Preise. Warum sind die Reaktionen dieses Mal so eskaliert?
FH: Viele Kommentare kamen offenbar von Menschen, die sehr niedrige Preise gewohnt sind. Sie schrieben, dass sie anderswo Komplettpakete für 17 Euro bekommen und alles darüber für überzogen oder sogar kriminell halten. Sobald man aber nachfragt, unter welchen wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Bedingungen solche Preise überhaupt möglich sind, spielt das für einige keine Rolle mehr. Hauptsache, die Leistung ist möglichst billig. Genau da haben wir in unserer Branche ein großes Problem.
Hattest du den Eindruck, dass die Hasskommentare organisiert waren?
FH: Darüber habe ich tatsächlich nachgedacht. Ich habe mir die Profile jedoch angesehen: Die Personen waren nicht miteinander vernetzt und kamen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es war also offenbar keine organisierte Gruppe. Es waren vielmehr Menschen mit einer sehr ähnlichen Haltung zum Thema Preis.
Du hast auch Drohungen gegen dich und deine Familie erhalten. Ziehst du rechtliche Schritte in Betracht?
FH: Im Moment habe ich die Sache erst einmal beiseitegelegt. Sollten weitere Drohungen oder Nachrichten kommen, werde ich definitiv rechtliche Schritte einleiten. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Ich glaube auch nicht, dass einer dieser Menschen in mein Geschäft kommen und mir das persönlich ins Gesicht sagen würde. Dann könnte man schließlich ein normales Gespräch führen. Einige Kritiker habe ich sogar eingeladen, gemeinsam mit mir die Zahlen und Unterlagen anzuschauen. Darauf kam allerdings wenig bis gar keine Reaktion.