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Seit 2025 leitet Anja Schnatmann den Bereich Hairstyling, Visagistik und Maskenbildnerei an der Modeschule Hallein | Credit: Karin Hackl

29.05.2026

„Gute Schulbildung und Handwerk sind kein Gegensatz“

Seit 10 Jahren bietet die Modeschule Hallein Jugendlichen die Möglichkeit, Matura und Friseurausbildung miteinander zu verbinden. Fachvorständin Anja Schnatmann mit einem Resümee, Zahlen und neuen Impulsen beim Ausbildungskonzept.

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Katja Ottiger im Gespräch mit Anja Schnatmann, Fachvorständin Hairstyling, Visagistik, Maskenbildnerei an der Modeschule Hallein

Die Ausbildung „Hairstyling & Visagistik“ richtet sich explizit an Jugendliche, die Matura mit Berufsausbildung kombinieren möchten. Kommen die jungen Leute wegen der Matura oder wegen der Friseurausbildung?
AS:
Das Konzept lässt verschiedene Möglichkeiten offen, denn mit 15 Jahren weiß man oft nicht genau, wohin der Weg führen soll. Nicht alle Jugendlichen kommen in unsere Bildungseinrichtung – auch wenn sie den Hairstyling-Zweig wählen – um wirklich Friseur oder Friseurin zu werden. Vielmehr möchten sie neben der Matura etwas Handwerklich-Kreatives lernen, auch wenn sie bereits wissen, dass sie später studieren werden oder sich der Wirtschaft zuwenden. Andere wiederum möchten eine Friseurausbildung und trotzdem Matura. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Auch ich habe Abitur gemacht und dann eine Friseurlehre absolviert.

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Viele möchten neben der Matura etwas Handwerklich-Kreatives lernen, auch wenn sie wissen, dass sie studieren werden oder sich der Wirtschaft zuwenden.

Also Handwerk als Backup?
AS: Ja, das Backup ist wesentlich. Und das betone ich vor den jungen Leuten immer: Hat man ein Handwerk erlernt, kann man immer darauf zurückgreifen. Eine gute Schulausbildung zu haben und gleichzeitig ein Handwerk zu können, ist kein Gegensatz.

Wie viele AbsolventInnen gab es in den vergangenen zehn Jahren?
AS: Die ersten Jahrgänge schlossen 2020 ab, seither gab es 240 AbsolventInnen.

Wie viele SchülerInnen gibt es derzeit im Ausbildungszweig Friseur?
AS: Im ersten Jahrgang sind es 35, im zweiten 29, im dritten 16, im vierten 28 und im fünften 32 SchülerInnen. Besonders erfreulich ist, dass wir für den kommenden Jahrgang bereits 48 Anmeldungen haben. Die Zahlen entwickeln sich positiv.

Österreichweit liegt die Drop-Out Rate der berufsbildenden Schulen bei ca. 35 %. Wie ist das bei den HairstylistInnen der Modeschule?
AS: Die liegt bei uns mittlerweile durchschnittlich bei etwa 30 %, mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Wie nennt sich der Berufs-Abschluss?
AS: Unsere AbsolventInnen verfügen über eine Berufsberechtigung als Friseur/-in und haben eine Vertiefung als Make-up Artist oder Fashion Stylist – je nach persönlichen Vorlieben. Damit können sie als FriseurInnen arbeiten, an Universitäten oder Fachhochschulen studieren oder in wirtschaftliche Berufe gehen. Der Wirtschaftsbereich ist ein weiterer starker Ausbildungsschwerpunkt bei uns.

Biografien entwickeln sich nicht  gradlinig, manche gehen nach der Matura erstmal ins Ausland.

Bei all diesen Möglichkeiten - wie viele der AbsolventInnen bleiben unserer Branche denn erhalten?
AS: Unserer Einschätzung nach, gehen ungefähr 20 % in den Friseurberuf, einige arbeiten an Theatern. Das müssten wir künftig besser evaluieren. Wir wissen nicht genau, wer später tatsächlich ein Studium abschließt, in der Branche bleibt oder eine weitere Ausbildung macht. Biografien entwickeln sich ja nicht immer ganz gradlinig, manche gehen nach der Matura auch erstmal ins Ausland.

20 %? Das macht knapp 5 FriseurInnen pro Jahr. Ist das zielführend?
AS:
Das kommt auf den Jahrgang an, manchmal sind es acht. Natürlich fänden auch wir es schöner, mehr SchülerInnen für den Friseurberuf zu begeistern und die Branche damit zu stärken. Der Friseurberuf hat inhaltlich nicht an Attraktivität verloren. Im Gegenteil – gerade bezogen auf Haarfärbetechniken und Haarverlängerung nehmen die kreativen Inhalte zu. Aber es scheint junge Menschen in andere Berufe zu ziehen, die vielleicht weniger physische und psychische Anforderungen an sie stellen. Die Gründe dafür sind sicherlich vielschichtig. Zielführend ist eine Berufsbildende Höhere Schule immer und wie in allen anderen Sparten auch, wählen die AbsolventInnen ihren Weg danach selbst.

Wir arbeiten sehr praxisnah: Modellbetrieb mit externen KundInnen (...), Fashionshows mit bis zu 200 Models ... 

Ein Kritikpunkt an dieser Ausbildung ist oft der fehlende Salonalltag. Wie sehen Sie das?
AS:
Wie an anderen Berufsbildenden Höheren Schulen haben unsere SchülerInnen acht Stunden pro Woche Praxisunterricht. Das ist natürlich weniger als in einer klassischen Friseurausbildung. Aber wir arbeiten sehr praxisnah: Unsere Praxisräume sind wie ein Friseursalon aufgebaut, jede Schülerin übernimmt regelmäßig im Turnus die Salonleitung und wir haben Modellbetrieb mit externen KundInnen. Oder sie arbeiten auf Großveranstaltungen, wo sie z. B. im Rahmen von Fashion Shows bis zu 200 Models auf Events vorbereiten, solche Erfahrungswerte hat man im normalen Friseursalon nicht. Zusätzlich erhalten unsere SchülerInnen eine umfassende Allgemeinbildung, unternehmerisches Denken und Kreativität in den Vertiefungen Make-up Artist und Fashion Stylist – alles Dinge, die relevant für die Branche sind.

Praktika in Friseursalons sollen die Praxis ergänzen. Wie läuft hier die Zusammenarbeit?
AS: Unsere SchülerInnen absolvieren zwischen dem 3. und dem 4. Jahrgang ein dreimonatiges Pflichtpraktikum in einem Betrieb. Das kann im Inland sein, in ihrer Heimatregion oder im Ausland mit geförderten Stipendien über Erasmus+.
Wir haben keine Probleme, Praktikumsplätze für unsere SchülerInnen zu finden. Es gibt Betriebe, die sich immer wieder freuen, PraktikantInnen von uns aufzunehmen. Natürlich kann es auch einmal vorkommen, dass jemand unzufrieden mit einer Praktikantin ist. Dann versuchen wir Lösungen zu finden. Hier stehen wir unterstützend zur Seite. Neben heimischen Salons haben wir auch Salons in Berlin und München bzw. gehen heuer 2 SchülerInnen nach Malta. Auch das sind Besonderheiten, die die klassische Lehre nicht bietet.

Welche Anforderungen gibt es an das fachliche Lehrpersonal?
AS: Grundsätzlich haben alle Lehrpersonen im Fachbereich eine Meisterprüfung und absolvieren berufsbegleitend ein dreijähriges Lehramtsstudium für die Sekundarstufe. Manche arbeiten zusätzlich in einem Friseursalon oder haben ein eigenes Geschäft mit fixem Kundenstamm. Ihnen ist wichtig, fachlich am Ball zu bleiben, sich weiterzubilden und die Praxis im Blick zu behalten.

Wir stärken Life-Skills in unterschiedlichsten Bereichen.

Sie sind nun seit einem Jahr Fachvorständin. Wo sehen Sie Potenzial zur Optimierung und für zusätzliche Impulse?
AS: Wir setzen unabhängig vom Friseurberuf Schwerpunkte. Ein Fokus liegt auf sprachsensiblem Unterricht, weil wir merken, dass viele junge Menschen sich nicht mehr so gut ausdrücken oder miteinander reden können. Kommunikation ist gerade im Umgang mit KundInnen enorm wichtig. Außerdem stärken wir Life-Skills.

Wie muss man sich das vorstellen?
AS: Die Jugendlichen sind fachlich und allgemeinbildend gut aufgestellt, haben aber mit normalen Dingen des Lebens manchmal Schwierigkeiten. Wir holen ExpertInnen ins Haus, die in kleinen Unterrichtssequenzen auf das praktische Leben vorbereiten. Zum Beispiel jemanden aus dem Immobilienbereich, der erklärt, worauf man achten muss, wenn man eine Wohnung bezieht, aber auch Finanz- und Kommunikationsexperten oder Absolventinnen mit einem besonderen Profil.

Wird im Unterricht KI eingesetzt, etwa für Social Media, Buchhaltung oder Salonorganisation?
AS: Wir arbeiten im Unterricht teilweise mit KI und führen die SchülerInnen an das Thema heran. Aber wir stärken vor allem ihre eigenen Kompetenzen, sie sind Grundlage für den richtigen Umgang mit KI.

Wir haben mit dieser Friseurausbildungsform ein gutes Zusatzangebot zur klassischen Berufsausbildung geschaffen.

Wo sehen Sie die Zukunft der Friseurausbildung?
AS: Ich denke, dass wir mit dieser Friseurausbildungsform ein gutes Zusatzangebot zur klassischen Berufsausbildung geschaffen haben. Natürlich müssen wir flexibel bleiben, denn Arbeitsmarkt, Gesellschaft und Jugend verändern sich. Tatsache aber ist: FriseurInnen sind nicht durch KI ersetzbar. Das ist wichtig. Es ist ein wunderbarer Beruf, bei dem man sofort Ergebnisse sieht und abends nichts liegen bleibt. Das sind Vorteile, die sich junge Menschen oft gar nicht vorstellen können.

Über Anja Schnatmann

Anja Schnatmann absolvierte in Deutschland Abitur und Friseurlehre sowie Ausbildungen in Kosmetik und Maskenbildnerei. Sie war Dozentin an der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Bachelorstudiengang Maskenbild. Seit 2022 arbeitet sie an der Modeschule Hallein und leitet seit 2025 den Bereich Hairstyling, Visagistik und Maskenbildnerei.

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