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Markus Lorscheidt, Geschäftsführer Phorest - DACH | C: Phorest

03.08.2026

„Viele Salonunternehmer sind erschöpft - trotzdem entsteht gerade viel Neues“

Wirtschaftliche Schwachstellen in Salons, die Chancen von KI und die Frage, warum sich der Wert des Friseurhandwerks endlich auch in Preisen widerspiegeln muss, Phorest Geschäftsführer Markus Lorscheidt, denkt Handwerk breiter mit vielen digitalen Insights…

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Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Markus Lorscheidt, Geschäftsführer Phorest - DACH

Du bist erfahrener IT-Mann. Was fasziniert dich bis heute am Friseurhandwerk?
Markus Lorscheidt:
Ohne in Platitüden zu verfallen ist es die Verbindung aus Handwerk, großem kreativen Anspruch und Unternehmertum. Salonunternehmer arbeiten während ihres gesamten unternehmerischen Wirkens sehr nah am Menschen. Manager großer Unternehmen haben kaum direkten Kontakt zu ihren Endkunden. Das macht den Friseur besonders.

Wie viele Salons arbeiten derzeit im DACH-Raum mit Phorest?
ML:
Wir haben nicht den Anspruch, den gesamten Markt zu erobern, sondern konzentrieren uns auf höherorganisierte Salonunternehmen. Rund 20.000 Betrieben kann unsere Software einen konkreten Nutzen bieten. Aktuell arbeiten mehr als 2.000 Salons mit uns. In diesem Segment entspricht das ungefähr einem Marktanteil von 10 %.

Durch eure Kongresse und Veranstaltungen seid ihr sehr nah an den Salonunternehmen. Wie nimmst du die aktuelle Stimmung wahr?
ML: Viele Unternehmer sind erschöpft. Seit Corona folgt eine Herausforderung auf die nächste. Unter diesem permanenten Druck ist es schwierig alternative Ideen und neuen Schwung zu entwickeln.
Wir sehen Filialisten, die Standorte schließen, weil eine klare unternehmerische Idee für deren Weiterentwicklung fehlt. Gleichzeitig sehe ich viele Menschen, die wieder Neues anpacken und spannende Konzepte entwickeln.

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Klassische Umsatzlecks sind Terminlücken, No-Shows, fehlende Folgebuchungen und unzureichend kalkulierte Dienstleistungen.

Wo verlieren Salons besonders häufig unnötig Umsatz?
ML: Klassische Umsatzlecks sind Terminlücken, kurzfristige Absagen und No-Shows.
Was mich immer wieder wundert, ist die fehlende Folgebuchung. Wenn Kunden bereits am Empfang stehen, ist genau das der Moment, um den nächsten Termin zu vereinbaren. Dieser Prozess ist in vielen Salons noch immer nicht vollständig in Fleisch und Blut übergegangen.
Hinzu kommen unzureichend kalkulierte Dienstleistungen. Auch hier können digitale Lösungen die Prozesse unterstützen.

Welche wirtschaftlichen Entwicklungen könnt ihr aus Salondaten ablesen?
ML:
Die Gewinnmargen vieler Betriebe sind zu dünn. Eine ungünstige Marktsituation kann einen Salon schnell in Schieflage bringen, weil notwendige Reserven fehlen.

Gleichzeitig sehen wir enorme Leistungsunterschiede zwischen vergleichbaren Salons. Einige Betriebe performen hervorragend, verdienen gutes Geld und können ihre Mitarbeiter entsprechend bezahlen. Das sorgt für Motivation und Stabilität.
Andere schaffen das nicht. Dort geraten die Zahlen unter Druck und Mitarbeiter verlassen den Betrieb. Die Schere zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen ist sehr groß.
Unsere Software kann Zahlen und Informationen bereitstellen. Veränderungen anstoßen muss aber weiterhin der Mensch.

Wie haben sich die Erwartungen der KundInnen an Friseure verändert?
ML:
Unabhängig von Öffnungszeiten einen Termin zu buchen, ist zu einer klaren Kundenerwartung geworden. Die Onlinebuchung gehört heute zum Standard.

Auch die Anforderungen der Salons an ihre Software haben sich verändert. Früher stand häufig der Kalender im Mittelpunkt. Heute soll eine Software möglichst viele Bereiche abdecken: von der Kasse und Buchhaltung über die Kundenkommunikation bis zum Marketing.

Wie stark verändert künstliche Intelligenz bereits eure Arbeit und den Salonalltag?
ML:
Wir befinden uns mitten in einem grundlegenden Umwälzungsprozess. Für Friseur gibt es aber eine gute Nachricht: Das Handwerk und die persönliche Kommunikation am Stuhl lassen sich nicht einfach durch KI ersetzen.

KI kann relevante Daten aus der Kundenhistorie bündeln und den Mitarbeiter innerhalb weniger Sekunden bereitstellen…

Welche drei Aufgaben könnte KI im Salon konkret übernehmen?
ML:
Erstens die Kundenkommunikation. Der Salon kann auf einen Blick erkennen, wann und über welchen Kanal sich jemand gemeldet hat. Gesprächsinhalte lassen sich automatisch zusammenfassen.

Zweitens die Aufbereitung vorhandener Kundeninformationen. KI kann relevante Daten aus der Kundenhistorie bündeln und den Mitarbeiter innerhalb weniger Sekunden bereitstellen. So wird ein individuellerer Service möglich. Zudem kann frühzeitig erkannt werden, wenn die Bindung langjähriger Kund nachlässt.

Drittens vereinfacht KI die Bedienung der Software. Statt sich durch Menüs und Reports zu klicken, könnte man künftig fragen: „Zeige mir die Umsätze dieser Mitarbeiterin aus den vergangenen sechs Monaten und fasse die wichtigsten Diskussionspunkte zusammen.“ Das spart Zeit und schafft eine bessere Grundlage für Mitarbeitergespräche oder unternehmerische Entscheidungen.

Voraussetzung dafür ist allerdings eine sauber gepflegte Datenbank, oder?
ML:
Absolut! Die Qualität der KI-Ergebnisse hängt unmittelbar von der Qualität der vorhandenen Daten ab. Die Unternehmen müssen zunächst ihre Hausaufgaben machen.
Gleichzeitig kann KI auch bei der Bereinigung helfen. Datenbanken lassen sich nach bestimmten Logiken durchsuchen und fehlerhafte Zuordnungen erkennen. Das wird ein spannendes Thema.

Phorest ist seit August B Corp zertifiziert. Bei Nachhaltigkeit denkt man zunächst eher an Produkte als an ein Softwareunternehmen. Was bedeutet die Zertifizierung für euch?
ML:
Bei einer B-Corp-Zertifizierung geht es um deutlich mehr als ökologische Nachhaltigkeit. Sie umfasst soziale Verantwortung, den Umgang zwischen Unternehmensleitung, Investor und Mitarbeiter sowie die Kundenorientierung.

Für Phorest war es schon lange vor der Zertifizierung wichtig, eine positive Wirkung für die Branche, die Gesellschaft, unsere Mitarbeiter und die Umwelt zu erzielen. Ein Beispiel dafür ist unser „Phorest Forest“: Mit dieser Initiative unterstützen wir Baumpflanzungen und Waldflächen, um einen positiven Beitrag für lokale Ökosysteme zu leisten. 2024 wurden im Rahmen des Projekts 800 Bäume gepflanzt, außerdem hat Phorest eine 15 Hektar große Forstfläche in Irland erworben.

Ich wünsche mir mehr Bewusstsein für den Wert guter Friseurdienstleistungen.

Was wünschst du dir für die weitere Entwicklung der Friseurbranche?
ML:
Ich wünsche mir mehr Bewusstsein für den Wert guter Friseurdienstleistungen. In anderen Märkten, beispielsweise in den USA, haben hochwertige Friseurdienstleistungen einen sehr hohen gesellschaftlichen Stellenwert.
Der Wert der Arbeit muss sich auch bei uns in Preisen und Arbeitsbedingungen widerspiegeln. Dafür braucht die Branche mehr unternehmerisches Selbstbewusstsein.

Und was darf die Branche künftig von Phorest erwarten?
ML:
Wir wollen noch bessere Software-Lösungen für Probleme entwickeln, die den täglichen Arbeitsablauf in Salons behindern oder verlangsamen. Dafür werden wir weiterhin sehr gut zuhören, nah an den Salonunternehmern bleiben und die starke Kundenbindung erhalten.

Dazu dient unter anderem unser jährlicher Summit, bei dem inzwischen rund 600 Salonunternehmer aus unseren verschiedenen Märkten zusammenkommen. Der persönliche Austausch bleibt für uns entscheidend.

Vielen Dank Markus für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

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