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Credit: privat

03.06.2026

„Oft scheitert nicht der Azubi, sondern der Ausbilder“

Merle Albes ist 23, im dritten Jahr selbstständig und weiß genau, wohin sie will. Im Gespräch erzählt sie, warum junge Unternehmerinnen in der Friseurbranche noch immer unterschätzt werden, und weshalb gute Ausbildung bei der Haltung der Ausbilder beginnt.

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imSalon Redakteurin Juliane Krammer im Gespräch mit Merle Albes

imSalon: Merle, stimmt es, dass du dich selbst manchmal als schwierig bezeichnest?
Merle Albes:
Es kommt auf die Situation an. Ich habe eine sehr klare Vision davon, wohin sich mein Salon entwickeln soll. Damit ecke ich bei manchen Menschen an. Es ist für einige ungewöhnlich, wenn eine Frau in meinem Alter so genau weiß, was sie möchte. Da kommt oft Gegenwind.

Wo spürst du das besonders?
MA:
Mir wird oft gesagt: „Du bist 23 und erst im dritten Jahr selbstständig, du kannst das doch noch gar nicht wissen.“ Und ich sage dann: „Doch, ich weiß, wovon ich rede. Das hat nichts mit meinem Alter zu tun."

Was muss sich in der Friseurbranche ändern, damit junge Unternehmerinnen nicht ständig beweisen müssen, dass sie nicht nur kreativ, sondern auch wirtschaftlich und führungsstark sind?
MA: Wir brauchen mehr Offenheit. Viele in der älteren Generation sind eingefahren. Da heißt es oft: „Das war schon immer so“, aber warum verändern wir uns nicht?
Mir wurde vor meiner Selbstständigkeit viel Angst gemacht: Es sei wahnsinnig viel Arbeit, es bleibe nichts hängen, man dürfe bestimmte Preise nicht verlangen.

Und wie führst du deinen Salon?
MA:
Ich bin im mittleren bis höheren Preissegment angesiedelt. Davon kann ich leben. Ich setze aber auch Grenzen: Samstag ist bei mir geschlossen. Dann gehe ich auch nicht ans Handy. Dafür habe ich Öffnungszeiten. KundInnen können sich per WhatsApp melden und ich bearbeite das in meiner Arbeitszeit.

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Du hast die imSalon Preiskalkulation geteilt. Nach welchem Prinzip kalkulierst du deine Preise?
MA:
Wir arbeiten mit Paketpreisen und in die Kalkulation fließen Material, Zeit und Aufwand ein. Dann schaue ich: Was hätte ich gerne für einen Gewinn? Welche Kosten habe ich? Was muss am Ende des Monats übrigbleiben? Daraus ergibt sich ein Faktor, den ich pro Minute umsetzen muss. Den passe ich dann auf die jeweilige Dienstleistung an. Dieser Preis gilt unabhängig davon, wer die Dienstleistung ausführt.

KundInnen zahlen den gleichen Preis, egal, ob sie bei mir ..., bei meiner Gesellin oder meinem Azubi sind.

Kannst du das erklären?
MA:
KundInnen zahlen den gleichen Preis, egal, ob sie bei mir als Inhaberin und Meisterin, bei meiner Gesellin oder meinem Azubi sind. Das gesamte Team steht für die gleiche Qualität. Dahinter stecken Schulungen und klare Standards.

Kannst du eine Orientierung geben, wo deine Minutenpreise liegen?
MA:
Bei Farben liegen wir ungefähr bei 1,10 Euro pro Minute. Bei Haarschnitten sind es etwa 85 bis 90 Cent pro Minute. Bei Bräuten kalkuliere ich mit etwa 1,50 Euro pro Minute.

Wie gehst du mit Preiserhöhungen um?
MA: Ich habe meine Preise bisher zweimal erhöht. Im vergangenen Jahr zum 1. Juli um fünf Prozent. Das habe ich etwa neun Wochen vorher angekündigt. Dieses Jahr bin ich zum 1. April um zehn Prozent hochgegangen, unter anderem wegen Mieterhöhungen und Nebenkosten.
Ich schaue dabei auch auf die Auslastung. Wenn wir über Wochen randvoll sind, ist das ein guter Moment Preise zu erhöhen. Dann fällt vielleicht etwas weg, und gleichzeitig entsteht wieder Raum für neue KundInnen. Für die Preiserhöhung wähle ich Zeiträume, die für die KundInnen tragbar sind, also nicht unbedingt Weihnachtsgeschäft oder Januar.

Wenn wir über Wochen randvoll sind, ist das ein guter Moment Preise zu erhöhen.

Ihr habt an zwei Tagen pro Woche von 13 bis 21 Uhr geöffnet. Wie kam es dazu?
MA: Meine Mutter ist selbstständige Hebamme und ich habe die werdenden Eltern bei einem Geburtsvorbereitungskurs gefragt, wann sie gerne zum Friseur gehen. Die Männer sagten: morgens vor der Arbeit oder nach der Arbeit. Die Frauen sagten: abends, wenn der Mann zuhause ist. Da war mir klar: Wir brauchen Randzeiten. Wir haben Tage, an denen wir um 8 Uhr starten, und zwei späte Tage, an denen Strähnen-Kundinnen auch um 18 Uhr kommen können. Dadurch brauchen wir den Samstag nicht.

Du bildest aus und hast eine Mitarbeiterin. War für dich von Anfang an klar, dass du ausbilden möchtest?
MA: In meiner eigenen Ausbildung wurde mir bewusst, dass ich es später anders machen möchte. Ich habe Positives erlebt, aber auch viel Negatives. Ich war in Salons, in denen man runtergedrückt wurde, sobald man besser wurde. Und ich habe auch gesehen, wie mit Leuten in meiner Klasse umgegangen wurde. Da habe ich mir gedacht: Das passt nicht mehr in die heutige Zeit. Wir müssen mit Menschen auf Augenhöhe sprechen.

Was bedeutet gute Ausbildung für dich konkret?
MA:
Dass man Auszubildende wirklich anlernt und ihnen etwas zutraut. Meine Auszubildende ist im ersten Lehrjahr. Sie färbt Ansätze, föhnt, hat eigene KundInnen und wir gehen jetzt ans Haareschneiden. Sie ist stolz, weil sie merkt: Ich kann das. Gleichzeitig erzählt sie aus der Berufsschule, dass andere in ihrer Klasse gerade erst anfangen, Haare zu waschen. Das finde ich erschreckend. Wenn wir wollen, dass unser Beruf eine gute Zukunft hat, müssen wir an der Qualität der Ausbildung dringend arbeiten.

Wenn alle durchfallen oder abbrechen, muss ich mich als Ausbilderin fragen, was ich anders machen muss.

Was sollten Salons berücksichtigen, wenn sie ausbilden möchten?
MA:  Oft ist es nicht der Azubi, der scheitert, sondern der Ausbilder. Wenn alle durchfallen oder abbrechen, muss ich mich als Ausbilderin fragen, was ich anders machen muss. Ausbildung kostet Zeit, Energie und Geld. Dinge laufen nicht so, wie man möchte, aber dann darf man nicht ausflippen, sondern fragen: Was war das Problem? Hast du etwas nicht verstanden? Was brauchst du, damit du es verstehst?

Ausbildung ist eng mit der Innung und den Prüfungsstrukturen verbunden. Fühlst du dich dort repräsentiert?
MA:
Nein. Ich bin hier im Gebiet kein Mitglied der Innung. Generell bin ich kein großer Fan davon, wie Innung und Prüfungsausschüsse aufgestellt sind. Da sitzen viele Menschen, die sich nicht mehr ausreichend damit beschäftigen, was Trend und in der Praxis relevant ist. Es wird nur gemeckert. Aber wenn etwas schlecht ist, müssen wir darüber sprechen, wie wir es besser machen können.

Du hast bei Prüfungen negative Erfahrungen gemacht.
MA:
Bei meiner Gesellenprüfung, die ich ein halbes Jahr vorgezogen habe, standen ständig Prüfer hinter mir. Ich wurde strenger kontrolliert als viele, die eine Nachprüfung hatten. Bei der Bewertung ging es vor allem darum, dass mein Stil dem Prüfer nicht gefällt. Ich habe dann gesagt: Unser Handwerk kann man auch ohne persönlichen Geschmack beurteilen, sondern nach Technik. Auch bei meiner Meisterprüfung gab es Situationen, in denen ich aufgrund meines Alters und Geschlechts unterschätzt wurde. Am Ende hatte ich 100 Punkte in der praktischen Prüfung, obwohl mir gesagt wurde, dass ich mit dem Look nur 50 erreichen werde.

Was muss sich ändern?
MA: Jüngere Menschen, die PrüferIn werden wollen, sollten die Chance dazu bekommen. Wir sind näher an Trends dran und wenn sich diese Strukturen nicht verändern, wird es schwierig für die Branche. Für mich persönlich gilt weiterhin: Wenn man ein Ziel hat und einen Weg sieht, kann man es schaffen. Man muss nur durchhalten.

Danke Merle für deinen Zeit und das spannende Gespräch!

Über Merle Albes

Merle Albes führt ihren Salon Merle's Hairbase in Nierstein (Rheinland-Pfalz). Sie hat eine Mitarbeiterin sowie eine Auszubildende.

@merles_hairbase

www.merles-hairbase.de

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