C: Bärbel Hopf

Friseurin Bärbel Hopf darf ihre Mitarbeiter selbst auf Covid testen

Bärbel Hopf geht es entspannt an. Am ersten Tag des Re-Starts blieb ihr Salon geschlossen wie an jedem Montag. Stattdessen ging’s zum Hausarzt: Einschulung zur COVID-19-Testerin.

In Sachsen herrscht seit der Wiedereröffnung am 1. März eine wöchentliche Testpflicht für alle FriseurInnen und MitarbeiterInnen. Ums Eck im Vogtland gilt sogar verpflichtend der Nachweis eines negativen COVID-19 Tests von jedem Kunden. Um den MitarbeiterInnen ihres Salons „PROHAAR“ in Zwickau den Weg zum Corona-Testzentrum zu ersparen und letztlich auch um die Kosten überschaubar zu halten, hat sich Bärbel Hopf entschlossen, sich bei ihrem Hausarzt einschulen zu lassen. Nun kann sie ihre Mitarbeiter direkt im Salon testen.

Im Kurzinterview mit Katja Ottiger

Testpflicht für Friseure in Sachsen, seit Kurzem besteht die Möglichkeit, sich zum Tester ausbilden zu lassen. Du hast es getan – bei wem?
Bärbel Hopf:
 Bei meinem Hausarzt. Ich hätte den Kurs auch beim DRK machen können, aber leider gab es keine freien Termine mehr. Aufgrund der Abstandsregelungen finden die Schulungen in Zweiergruppen statt. Eine weitere Option wäre auch der Betriebsarzt, sofern wir einen hätten – da bin ich seit 3 Jahren auf der Suche. Aber das ist ein anderes Thema (lacht).

„20 Minuten Einschulung.“

Wie war die Einschulung?
BH:
 Es war eine 20minütige Schulung bei einer Krankenschwester, die mir den Stäbchentest zur Anwendung im Nasen-, Rachen und Mundbereich erklärt hat und auch, wie ich alles richtig dokumentiere.

Für wie lang müssen die Daten aufbewahrt werden?
BH:
 Ich hebe sie für eine Woche auf.

Hast du ein Zertifikat bekommen?
BH:
 Ja, das Zertifikat als „COVID-19-Schnelltesterin“. Mir ist es gestattet, an meinen MitarbeiterInnen Schnelltests durchzuführen.

Was passiert, wenn einer der Test positiv ist?
BH:
 Dann muss derjenige sich umgehend zu einem PCR Test melden und in Quarantäne bzw. in Krankenstand gehen.

Darf ich das so schreiben? Ja
BH:
 Ja sicher. Das darf doch jeder wissen. Ich finde es als Unternehmerin schwierig, Verantwortung für Dinge übernehmen zu müssen, die ich mir nicht leisten kann. In Zukunft werde ich diese Tests in der Apotheke kaufen, für ca. 180 Euro / 25 Stück.
Was wir aber brauchen, ist langfristig eine einfache Lösung, diese Tests kostenfrei zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Wie ist die Teststraßen-Situation in Zwickau/Sachsen?
BH:
 Aktuell ist es meines Wissens so, dass man mit Symptomen gratis eine der Testzentren aufsuchen kann. Soweit ich weiß, dürfen auch bald Ärzte und Apotheken diese Tests durchführen. Wobei ich von bekannten Apothekern gehört habe, dass es in Zwickau noch keine entsprechende Infrastruktur gäbe.

Dürftest du mit deinem Zertifikat an einer der Teststrecken arbeiten?
BH:
 nein.

„Ich würde keine Kunden testen wollen.“

Wenn es erlaubt wäre, würdest du Kunden testen – vielleicht auch als neues Service etablieren?
BH:
 Nein, ich würde keine Kunden testen wollen, das wäre mir zu persönlich. Da müssen Bund und Regierung Vorsorge treffen.

„Ich kann in allen Debatten das Wort ‚Friseur‘ nicht mehr hören.“

Was hältst du von den Vogtland-Testkontrollen bei Kunden?
BH: Ich finde die Reglementierungen der einzelnen Bundesländer erschreckend. Ich werde immer für Gleichstellung kämpfen, auch wenn das vielleicht heißt, dass alle Kunden Tests benötigen. Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben, unter die Inzidenz von 10 werden wir auch in drei Jahren nicht kommen. Und überhaupt kann ich in diesen ganzen Debatten das Wort „Friseur“ nicht mehr hören. Gut, die Friseure waren in den letzten Monaten richtig laut und haben wirklich einen guten Job gemacht – ich denke hier sofort an Christoph Höpfer (“Bei Freunden”) – aber es gibt eben auch noch Kosmetiker, Fußpfleger, Tattoostudios und andere Branchen.

Du gehst es ruhig an, hast die Wiedereröffnung erst mit dem 2.März gestartet.
BH:
 Ich möchte meine Dienstleistung in Ruhe anbieten. Ich denke, wir werden uns alle umschauen, wenn wir dann in drei Wochen wieder viel weniger zu tun haben. Ich sehe das wie Patrick Cameron. Er appellierte in seinem letzten Wella-Livestream an die Kollegen in Schottland und England, die auch ab 1. März wieder öffnen, in Ruhe gute Friseurarbeit zu machen! Und nicht, wie nach dem ersten Lockdown, den Fehler, in Schichten zu arbeiten und dabei ein Burnout zu riskieren. Und das von einem Menschen, der seit einem Jahr praktisch keine Jobs mehr hat und mit seiner gratis „Education in Isolation“ in den letzten Monaten Großartiges geleistet hat! Toller Mann, tolles Vorbild!

Vielen Dank Bärbel, dass du wieder einmal spontan Zeit für einen Talk hattest! Alles Gute nach Zwickau!

Über Bärbel Hopf:

  • 1 Salon „ProHaar“ in Zwickau, 12 Mitarbeiter
  • Londa Markenbotschafterin & Creative Global Director Londa/Kadus Professional
  • www.pro-haar.com